Herman Brood ist tot!
Mittwoch, 11.7.2001 gegen 13:30 Uhr. Herman Brood springt vom Dach des Amsterdamer Hilton-Hotels in den Tod.
So spektakulär wie sein Leben verlaufen war, so spektakulär nahm er Abschied davon.
Im Jahr 1994 hat der Schwarze Kanal ihn mit einer zwölfteiligen Story geehrt, nun sind wir zutiefst geschockt und traurig.
Wahnsinn und Kaas sagen “Ciao Monkey!” Wir werden Dich nicht vergessen, Herman.

Im September 01 sendeten wir einen ausführlichen Nachruf.

Herman Brood mit Tochter Maerz 2001 in Alkmaar
Das Abschiedslied!!
Herman Brood wurde am 5. November 1946 im niederländischen Zwolle geboren. Im Alter von 12 Jahren begann er zu zeichnen und erlernte das Klavierspiel. Mit 17 Jahren zog er nach Arnheim, um dort an der Akademie für bildende Kuenste zu studieren. Dort schliesst er sich der Band “The Moans” an, aus denen später “Long Tall Ernie & The Shakers” werden sollten. 1967 steigt er bei der Drenter Band “Cuby & The Blizzards” ein. Diese Bluesband um Eelco Gelling und Harry Muskee wurde ab 1966 enorm erfolgreich, nicht nur in den Beneluxländern, sondern ab den späten sechzigern auch bei uns. Doch nach zwei Alben mit Cuby wird Brood wegen Drogenkonsums und Handels mit LSD verhaftet und kommt ins Gefängnis. Philips trennt sich daraufhin von ihm und die Band muss sich nach einem neuen Klavierspieler umsehen. Brood verlässt nach dem Gefängnisaufenthalt die Niederlande und hält sich mit Gelegenheitsjobs in Griechenland und Israel über Wasser. Völlig mittellos kehrt er drei Jahre später nach Holland zurück. Er lebt von kleinen Dealereien und Einbrüchen, daneben gibt er in drittklassigen Pornoproduktionen den Hengst. Schliesslich geben Cuby & The Blizzards 1974 ihr Abschiedskonzert, das auch für eine Plattenproduktion aufgezeichnet wird. Wieder mit dabei: Herman Brood, der zu dieser Zeit von Kneipenjobs lebt. Aber dieser Auftritt beschert ihm neuen Kontakt zur Musikszene und er kommt bei der kurzlebigen Band “Stud” unter. 1975 gründet er mit Hans Lafaille “The Flash & Dance Band”. Schliesslich, noch im selben Jahr, entwickelt er mit Herman van Boeyen, und Peter Smid ein neues Projekt: “Vitesse”. Sie verkaufen die Studiobänder an die WEA und Brood gründet eine Backingband für Soloauftrite: “The Wild Romance”. Sie veröffentlichen ihr erstes Album “Street”. Der Rest ist Geschichte. Insgesamt dürfte Brood mit und ohne Wild Romance so um die 15 Alben veröffentlicht haben, seit den achtziger Jahren ist er in Holland und Belgien auch als Maler sehr gefragt, seine Bilder hängen dort in Museen und Galerien. Doch über all die Jahre haben Drogen und Alkohol die Hauptrolle in Broods Leben gespielt. Täglich zwei Gramm Heroin und ungezählte Gläser. Und wir haben immer gedacht: Der Mann ist ein Phaenomen. Den haut nichts um. Der sieht trotz seiner täglichen Exzesse gesünder aus als wir alle. Broodje gezond sozusagen.
Herman Brood am 6.Juni 2001
Herman Brood am 6. Juni 2001
Aber Herman war nicht mehr Broodje gezond. Broodje halfom vielleicht noch, vielleicht. Er machte gerade in den letzten Jahren trotzdem noch spannende Platten. 1999 das reine Jazzalbum “Back on the Corner” und schliesslich Ende 2000 dann sein letztes Werk “Ciao Monkey”. Wie ein Abgesang auf sich, er wusste, er hatte nicht mehr lange. Trotzdem sang er trotzig: “Speed keeps me young” aber auch “I hate myself”, “Take me off the cross” und schliesslich “When I get home”. Das war vor einem halben Jahr. Wir haetten die Zeichen erkennen können. Was wir nicht wussten, wissen wir jetzt: Seinen Biografen Bart Chabot hatte er noch vor ein paar Monaten gefragt, von welchem Gebäude er springen sollte. Vom Hilton Hotel oder vom Okurahotel. Chabot hatte ihm zum Hilton geraten, weil das nur einen Steinwurf von seiner Wohnung entfernt läge. Da musste Brood noch einmal herzlich lachen.
Hilton Amsterdam
Okura Amsterdam
Dabei hatte er schon nichts mehr zu lachen. Ja, er hatte sein Überlebensmittel, den Humor, verloren. Sein Arzt hatte ihm vor Monaten noch ein halbes Jahr gegeben, wenn er nicht augenblicklich Alkohol und Heroin aufgäbe. Brood war vom Tod gezeichnet. Seine Nieren spielten nicht mehr mit, seine Leber versagte, er hatte unerträgliche Schmerzen, er war mittlerweile inkontinent. Er sagte Auftritte ab, weil er nicht mehr für lange Auftritte auf Bühnen stehen konnte. Es war unsäglich. Am meisten muss ihn aber geschmerzt haben, dass er nicht mehr richtig malen konnte in den letzten Monaten. Aus dem begabten Künstler war ein Dilletant geworden. Man sah ihn in der Amsterdamer Kalverstraat. Er malte Bilder im Schnellverfahren für Passanten und für ein paar Gulden. Der stolze unzerstörbare Herman war am Ende. Doch am 7. Juli 2001 hatte er noch einen Termin bei Madame Tussaud. Er wurde dort in Wachs verewigt. Diesen Termin nahm er wahr, doch er erschien mit kahlgeschorenem Kopf. Sein Markenzeichen, seine schwarze Haarpracht, sie war verschwunden.
Herman Brood bei Madame Tussaud am 7.7.2001
Herman Brood bei Madame Tussaud am 7.7.2001
11. Juli 2001 um 13:30 Uhr. Herman Brood ist tot. Vom Dach des Hilton Hotels gesprungen mit einem Abschiedsbrief in der Tasche: “Ich sehe keinen Sinn mehr. Macht ein schönes Fest. Und vielleicht sehe ich euch wieder."
Zwei Tage später liegt die Leiche aufgebahrt im Amsterdamer Paradiso. Die Polizei muss einschreiten, so viele Menschen wollen Abschied nehmen von Hollands Rock n Roll Superstar. Am 15. Juli gaben ihm dann Hollands Topmusiker im Paradiso ein Abschiedskonzert, während Hermans Sarg an der Stelle aufgebahrt war, an der sonst bei Paradiso-Auftritten sein Piano stand.

Der Heart and Soul Rock n Roll Junkie ist tot. Aber er lebt in unseren Herzen weiter.
Kom van dat dak af, Herman!

Joop Kaas     5.8.01
Fuer mehr Informationen: Die Herman Brood Site
Still believe that I can win!
Quellen: De Telegraaf / Muziekkrant Oor / Nederlands Dagblad / nl websites


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