JOHN C. CASH
* 26.2.1932   -   † 12.09.2003

Die Musikikone Johnny Cash ist tot. Wenn ich es mir genau überlege, war er die einzige Ikone, die diesen Namen verdient hat. Hatte.
1932 auf dem Land in Arkansas geboren, dort wo absolut nichts los ist und die Leute in ihrer Verzweiflung an Gott glauben. Der Vater war Arbeiter im Sägewerk und bei der Eisenbahn. Als John vier Jahre alt war, bekamen die Eltern ein Stück Land, das 1937 von einer Flutkatastrophe heimgesucht wurde. Er verarbeitete das später in "Five feet high and rising", ganz so, wie sich all seine Erfahrungen rund um die "kleinen Leute" in seinen Songs wiederfinden.

Nach dem zweiten Weltkrieg war Cash in Deutschland beim AFN als Techniker. Schließlich geriet er, zurück in den USA, an Sam Philips, den Besitzer des Sun Studios in Memphis Tennessee. Philips war kaum älter als Cash, ein Weißer, der hauptsächlich schwarze Musiker produzierte. Die Blues-Elite ging bei ihm ein und aus. Und Philips hatte die richtige Nase für den Trend. In seinem Studio formte er die ersten weißen Rock n Roll Musiker: Jerry Lee Lewis, Carl Perkins, Roy Orbison und Elvis Presley. Johnny Cash wurde von ihm verdonnert, allen christlichen Ballast abzuwerfen und sich auf die Essenz seiner Songs zu beschränken. Philips formte den frühen Rockabilly - Stil von John R. Cash, stellte ihm die Musiker Luther Perkins und Marshall Grant zur Seite und machte gleich die erste Single "Hey Porter" im Juni 1955 zum Hit. Auch der Name war von Philips geändert worden. Ab jetzt hieß der Mann Johnny Cash.

Die nächste Single im Jahr 1955 hieß "Folsom Prison Blues. Danach folgten Titel wie "I walk the line" (das ultimative Johnny Cash Thema), "Next in line", "Home of the Blues", Ballad of a Teenage Queen" und so weiter.
Nach Unstimmigkeiten über Geld und Veröffentlichungen wechselte Cash Ende 1958 von Sun zu Columbia. Als erste Single wurde hier im Januar 1959 "Don't take your guns to town" veröffentlicht und Cash hatte die Möglichkeit, auch Alben nach seinen eigenen Vorstellungen aufzunehmen. Er blieb bis 1987 bei Columbia.
 

In den Folgejahren nahm er keine Rücksicht mehr auf die reaktionäre Welt der Countrymusik. Er veröffentliche das Album "Bitter tears", auf dem er sich mit dem Elend der Indianer auseinandersetzte und hatte prompt den Klu Klux Clan am Arsch. Er beleuchtete die Arbeiterklasse mit seinem Album "Blood, Sweat and tears".
Er engagierte sich gegen den Vietnamkrieg und für Strafgefangene. Legendär sind die beiden Alben, die Ende der sechziger Jahre in den Gefängnissen Folsom und San Quentin entstanden sind.
Cash machte sich beim Countrypublikum erneut unbeliebt, als er sich mit der Hippiebewegung solidarisierte. Schließlich fand er sein ultimatives Statement 1972 im Song "The man in black".
Die Dinge sind nicht besser geworden, Cash hat folgerichtig bis zu seinem Tod schwarze Kleidung getragen.
 
In den späten siebzigern noch ein Album über den Mythos des Westens, danach kippte Cash, ähnlich wie Freund Bob Dylan, ins Christentum ab und veröffentlichte immer schlechtere Platten, die überdies auf Betreiben von Columbia auch noch schrecklich überproduziert waren. Gospel, Gott und Jesus, mal eine Platte über die Eisenbahn... Es gab immer auch mal die ein oder andere Perle dazwischen, aber Mitte der achtziger ging nichts mehr. Cash hatte sich zu sehr auf Gott und Columbia Records verlassen und darüber seinen Stil fast schon verloren.
Die zugekitschten Songs kamen beim Pop-Publikum nicht an und für die Gemeinde der Countryarschlöcher war Cash ein Outlaw, mit dem man besser nichts zu tun hat.
Cash stand da nicht alleine. Auch andere Countrymusiker hatten ihren Schlußstrich unter Nashville gezogen oder Nashville unter sie.
Nashville - das ist seit spätestens den siebzigern sowas wie der Idiotenstadel mit Karl Moik hierzulande.
Diese anderen Musiker waren Waylon Jennings, Kris Kristofferson und Willie Nelson. Sie wurden wie Outlaws behandelt und sie nannten sich nun auch selbst trotzig Outlaws.
Gemeinsam mit Johnny Cash fründeten sie 1984 die "Highwaymen" und sie hatten Erfolg! Mehrere Alben unter diesem Bandnamen belegen im übrigen die hohe Qualität des Quartetts.
Cash Solo war weniger erfolgreich. Es gab zunehmend Reibereien mit Columbia, die vorläufig darin gipfelten, daß Cash 1984 den Song "Chicken in black" veröffentlichte, eine Nonsens-Platte, die ironisch den Status Quo um seine Person reflektierte. 1986 warf Columbia ihn nach 28 Jahren aus dem Vertrag und Cash fand eine neue Heimat bei der Firma Mercury. Doch auch hier war das Aus vorprogrammiert, weil Cash sich nicht mehr an Regel hielt und aufnahm, was ihm in den Kram paßte. 1991 kam das Aus.
1993 unterschrieb Cash bei American Recordings, dem Independent Label des kalifornischen Produzenten Rick Rubin. Rubin wußte, ähnlich wie in den fünziger Jahren bereits Sam Philips, daß Cash nur dann zur Geltung kommt, wenn alles Brimborium über Bord geworfen wird. Weg mit Chören, Background, Geigen, fetter Instrumentierung. Ein Mann, eine Gitarre. Schluß.
Das Ergebnis: "American Recordings" im Jahr 1994. Cash stand wieder in der ersten Reihe und dort bleibt er auch, bis heute. Weitere drei Alben unter der Regie von Rubin und eine MTV Unplugged Session mit Willie Nelson folgten bis 2003.
 
In den letzten Jahren ging es Johhny Cash gesundheitlich schlecht. Er litt unter Diabetes. Schlimmer aber noch: er hatte seit 1997 eine heimtückische Krankheit: das Shy-Drager Syndrom. Eine wenig erforschte Erkrankung ähnlich der Parkinson Krankheit. Cash konnte nicht mehr auf Tournee gehen, die letzten Studioaufnahmen mußten mit langen Unterbrechungen auf seinem Grundstück statfinden. Aber Cash wollte spielen, immer weiter spioelen.
Doch dann starb im Juni seine Frau June Carter. Das hat ihm wohl den Lebensmut genommen.
Johnny Cash wird für immer bei uns sein. Es ist schon viel, wenn man einen guten Song schreibt, der die Jahre überdauert. Cash hat Dutzende davon geschrieben.
Wir werden ihn nie vergessen. Aber leider ist auch keiner wie er noch da.
 
   
Mehr Informationen:  
Die Johnny Cash Homepage  
Süddeutsche Zeitung, 13.9.03  
   
UNBEDINGT lesen: UNBEDINGT lesen:
Franz Dobler: The Beast in me Johnny Cash: CASH - Die Autobiografie
Kunstmann Verlag 2002 Palmyra Verlag 1999
   


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